Heseper SV schlägt Stahl Riesa – 11FREUNDE

11 Freunde: Herr Wes­terhof, wel­chen Rekord hat der Heseper SVS zu bieten?

Wes­terhof: Wir haben 97 Spiele in Serie nicht ver­loren, dabei nur fünf Mal unent­schieden gespielt, bei einem Tor­ver­hältnis von 500 zu 53. Das war zwi­schen 1996 und ​99 und ist durch den Nie­der­säch­si­schen Ver­band bestä­tigt. Wir haben sogar eine offi­zi­elle Aus­zeich­nung bekommen.

11 Freunde: Wir glauben Ihnen. Aber wie erklären Sie diesen Höhe­flug?

Wes­terhof:
Wir kamen fast alle aus einer großen Clique, alle so um die 23, dar­unter viele sehr gute Kicker, auch zwei mit Lan­des­liga-Erfah­rung. Das war eine unglaub­liche Sache für eine junge Mann­schaft, die sich gerade erst gegründet hatte. Klar, es war auch ein wenig Glück dabei, weil die Kreis­klassen bei uns in der Gegend so tief gestaf­felt sind. Und wir mussten ja ganz unten ange­fangen, wo die Gegner noch nicht so stark sind.

11 Freunde: Und was war los in Nord­horn, als Stahl Riesa plötz­lich für Schlag­zeilen sorgte?

Wes­terhof:
Natür­lich waren wir ent­täuscht, viel­leicht auch ein wenig sauer. Wir hatten zu diesem Zeit­punkt schließ­lich 30 Spiele mehr gewonnen. Aber wenn ich ehr­lich sein soll, dann waren wir damals ein­fach nicht so clever wie Stahl Riesa. Wir hätten ein­fach mehr Hebel in Bewe­gung setzten sollen, um das jetzt auch so aus­kosten zu können.

11 Freunde:
Was ist schief gelaufen?

Wes­terhof: Damals stand Kreis­klasse-Fuß­ball noch nicht so im Fokus wie heute, das läuft sogar mitt­ler­weile im Fern­sehen. Dann war das Internet als Medium noch nicht soweit ver­breitet – wir wurden mehr oder weniger igno­riert. Selbst das ZDF, das wir ange­schrieben hatten, wollte es nicht senden.

11 Freunde: Ist das jetzt die späte Genug­tuung für Sie?

Wes­terhof:
Schwierig zu sagen – es tut auf jeden Fall ganz gut im Nach­hinein. Denn damals waren wir uns dessen nicht richtig bewusst, was wir da eigent­lich geleistet haben. Heute bekommen alle noch leuch­tende Augen, wenn wir zusammen dar­über reden.

11 Freunde: Und wann riss die Serie?

Wes­terhof:
An dem Tag fehlten uns viele Stamm­spieler. Es war eigent­lich gar nicht so ein starker Gegner, und trotzdem ging es in die Hose – 2:3 gegen die Reserve des ASC GW 49 im Oktober 1999. Das war nach 8820 Minuten.

11 Freunde:
Was wäre denn beim 100. Sieg geschehen?

Wes­terhof: Wir hätten wohl richtig einen raus­ge­hauen. Es war auch tat­säch­lich schon ein wenig geplant, und wir wären wahr­schein­lich etwas ener­gi­scher an die Öffent­lich­keit gegangen. Was soll’s, eine große Feier können wir ja immer noch nach­holen, wenn unser Rekord jetzt end­lich wahr­ge­nommen wird.

11 Freunde: Wer aus der Truppe ist noch heute aktiv?

Wes­terhof: Der Tor­wart, der Libero und Ich. Einige spielen noch in der Zweiten, einige bei den Senioren. Der Verein hat aber ein breites Umfeld, alle sind mit Herz­blut dabei, also nach wie vor mit von der Partie.

11 Freunde: Die neue Saison läuft noch nicht so berau­schend?

Wes­terhof: Ja, wir haben die ersten fünf Spiele ver­loren. Wir haben das ver­sucht zu ver­meiden, was nor­ma­ler­weise pas­siert, wenn Mann­schaften in diesem Tempo durch­mar­schieren – den freien Fall.

11 Freunde: Was fehlt der heu­tigen Mann­schaft im Ver­gleich zu früher?

Wes­terhof: Das kann man so nicht ver­glei­chen, damals war es echt ein­fa­cher. War auch nicht so wichtig, dass wir im ersten Auf­stiegs­jahr nur aus­wärts antreten mussten, weil unser Platz nicht den offi­zi­ellen Maßen ent­sprach. Irgend­wann wurden wir vom Alltag ein­ge­holt und können heute froh sein, wenn wir nicht mehr Spiele in Serie ver­lieren, als wir damals gewonnen haben. (lacht)

11 Freunde:
Bleibt noch zu sagen…

Wes­terhof:
Dass es ein­fach eine ver­dammt gute Zeit war.

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